Das Pflegetagebuch

Ein Überblick über pflegerische Handlungen

Wird ein Mensch bedingt durch eine Erkrankung oder im Alter pflegebedürftig, besteht die Möglichkeit eine Pflegestufe bei der Krankenkasse schriftlich zu beantragen. Zum einen sind dabei Krankenkassenmitarbeiter behilflich, aber auch Mitarbeiter vom Sozialdienst eines Pflegedienstes, des Krankenhauses oder der Rehabilitationsklinik, die Hilfestellung beim Ausfüllen, bieten.

Ist der Antrag gestellt, erhält die antragstellende Person Post vom MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) mit einem Termin zur Begutachtung durch einen Gutachter. In der Begutachtungssitutation ist der Betroffene oft zusätzlich angespannt. Deshalb ist es im Vorfeld sehr ratsam ein Pflegetagebuch, zu führen. Erhältlich ist dies bei der Krankenkasse bzw. als Download im Internet.

Die Angaben werden aus Sicht der “Laienpflege” gemacht

Außerdem wird in Unterstützung (U), Teilweise Übernahme (TÜ), Vollständige Übernahme (VÜ) und Anleitung bzw. Beaufsichtigung (A/B) unterschieden.

Das Pflegetagebuch sollte mindestens eine Woche geführt werden. Es werden dabei folgende Tätigkeiten zeitlich bemessen: Körperpflege, Darm und Blasenentleerung, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftliche Versorgung.

Was wird im Pflegetagebuch alles dokumentiert?

Es ist wichtig bei allen Aktivitäten den genauen Zeitaufwand, anzugeben. Sollten pflegerische Tätigkeiten nur zu zweit möglich sein, gilt es auch dies zu dokumentieren.

Zusätzlich werden folgende erschwerende Faktoren zur Urteilsbildung mit hinzugezogen:

  • ist das Körpergewicht über 80kg
  • Einschränkungen in Beweglichkeit sowie in Armen und Beinen
  • erhöhter Muskeltonus, Spastik z.B. nach Unfällen oder einem Schlaganfall
  • Fehlstellung von Armen und Beinen
  • Einschießende Spastik (unkontrollierte Bewegungen)
  • ständige Luftnot und Wassereinlagerungen im Körper
  • Schluckstörungen, Atemstörungen oder Störung der Mundmotorik
  • Abwehrverhalten des Betroffenen
  • Einschränkungen in Sinneswahrnehmung (Hören und Sehen)
  • starke therapieresistente Schmerzen
  • Pflegebehindernde Wohnverhältnisse
  • Zeitaufwendiger Hilfsmitteleinsatz (Lifter)

Übernimmt der Pflegedienst bereits bestimmte pflegerische Handlungen am Patienten, empfiehlt es sich den Pflegedienst mit zur Begutachtung einzuladen. Er ist dann mit seiner Pflegedokumentation vor Ort und kann zusätzliche wichtige fachliche Informationen weiterleiten.

Außerdem benötigt der Gutachter Angaben zum Hausarzt und weiteren behandelnden Ärzten. Liegt ein Entlassungsbericht aus dem Krankenhaus vor, macht es Sinn auch diesen bereitzuhalten. Oftmals sind dort wichtige Diagnosen und fachliche Informationen von großer Bedeutung.

Werden Hilfsmittel (Lifter, Toilettenstuhl, Unterarmstütze, Brille, Prothesen) genutzt, sind diese bereitzuhalten. Sinnvoll ist auch die Adresse des Sanitätshauses.

Oftmals herrscht vor einem Termin des MDKs immer etwas Aufregung, da der zu Begutachtende sich doch meist in seiner Privatsphäre etwas eingeschränkt fühlt. Es ist wichtig einen aussagekräftigen Angehörigen an seiner Seite, zu haben.

Nach der Begutachtung, die in der Regel circa 1h dauert, gibt der Gutachter meist eine Prognose, wie lange es bis zum endgültigen Ergebnis dauert. Sollte ein negativer bzw. nicht stimmiger Bescheid eingehen, hat man die Möglichkeit in den Widerspruch zu gehen. Ein erneutes Tagebuch ist dann ratsam, um für eine erneute Begutachtung gut gerüstet zu sein.

 

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