Pflegepersonal

Deutschlands Mangel an Pflegepersonal

Fachkräfte fehlen in Deutschland überall – und so auch im Pflegebereich. Schon lange beschweren sich sowohl die Bundesagentur für Arbeit und der deutsche Pflegerat, als auch die Gewerkschaften und die Krankenhäuser und Altenheime selbst über zu viel Arbeit und zu wenig Personal bei steigender Pflegebedürftigkeit. Trotz der jahrelangen Beschwerden wurde bis heute noch nichts von der Bundesregierung unternommen, um dem Pflegekräftemangel entgegenzuwirken und dass, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung im Alter auf Pflegeunterstützung angewiesen sein wird. Doch wie prekär sieht die Situation in Deutschland wirklich aus?

 

Das Personaldefizit in Deutschland

Seit 2007 hat die Zahl der Beschäftigten im Pflegebereich, trotz steigender Pflegefälle. stetig abgenommen. Im März 2015 waren in den deutschen Krankenhäusern 50.000 Pflegekräfte weniger angestellt, als in 2007 und schon damals klagten die Krankenhäuser über Personalmangel. Im Jahr 2013 wurden nur 29 Prozent der Pflegebedürftigen in Heimen versorgt, weil auf einem Heimplatz viele Bewerber kommen und die Wartelisten meisten schon Jahre voraus sind. Demnach wurden 71 Prozent der Pflegebedürftigen von ihren Angehörigen versorgt, auch wenn die psychische und körperliche Belastung für viele Familienmitglieder zu hoch ist. Nur ein kleiner Teil der pflegenden Angehörigen hatte die Möglichkeit durch ambulante Pflegedienste unterstützt zu werden.

Die Abschaffung der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes hat die Situation noch einmal drastisch verschlimmert, sodass im Juni 2015 auf 100 freie Stellen nur 46 Arbeitssuchende kommen. Besonders examinierte Pflegekräfte mit mindestens 3-jähriger Berufserfahrung werden in den Heimen gesucht.

In der Zukunft wird sich die Situation wohl noch verschärfen. Aufgrund des demografischen Wandels und den steigenden Lebenserwartungen kommen künftig mehr ältere Menschen auf einen jungen. Zudem sorgen medizinische Fortschritte für eine Verlängerung des Lebens, sodass auch die Pflegezeit viel länger andauern wird, als noch vor zehn Jahren. Bis 2030 soll die Zahl der Pflegebedürftigen auf 3,5 Millionen ansteigen, aus diesem Grund ist ein schnelles Handeln der Politik, damit Pflegeberufe attraktiver werden, dringend notwendig.

 

Pflegekraft – kein attraktiver Job

Der berufliche Alltag von Pflegerinnen und Pflegern ist hart. Nicht zuletzt auch deshalb, weil aufgrund des Personalmangels Überstunden an der Tagesordnung stehen und kaum noch Zeit zur Erholung vorhanden ist. Laut einer Studie der Universität zu Lüneburg denkt jeder fünfte Pfleger über einen Jobwechsel nach, da zu viel Arbeit auf zu wenig Personal kommt. Die Folgen sind viele Krankheitstage, die die gesunden Pflegekräfte noch mehr belasten und psychische Folgen wie Burnout oder Depressionen. Rund ein Drittel der Pflegekräfte fühlt sich täglich dauerhaft müde und erschöpft und steht unter ständigem Druck.
Das Problem ist, dass der Beruf der Altenpflegefachkraft von seinen Inhalten kein attraktiver Job ist. An Attraktivität könnte er durch eine höhere Bezahlung gewinnen, doch dafür bräuchte es finanzielle Unterstützung der Bundesregierung.

 

Die Folgen für die Heime und ihre Bewohner

Eine Entlastung der Pflegeheime ist längst überfällig. Die Pflegerinnen und Pfleger können nur oberflächig auf die Bedürfnisse der Patienten eingehen, sodass es oft zu einer Unterversorgung kommt oder schlechter werdende Gesundheitszustände zu spät erkannt werden. Zudem gibt es in großen Pflegeheimen kaum noch eine Vertrauensbeziehung zwischen dem Pflegepersonal und den Pflegebedürftigen, obwohl diese oft wichtig und am Lebensende auch wahrlich verdient ist. Einige Pflegeinstitutionen haben begonnen vermehrt ausländisches Personal einzustellen und crashkursartig auszubilden, doch dies sind nur Maßnahmen um den kurzfristigen Personalmangel zu begegnen, längerfristig braucht es mehr gut ausgebildete Pflegefachkräfte. Die Unterstützung der Bundesregierung wird also zwingend notwendig.

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