Pflegekammer

Die Debatte zur Pflegekammer

Seit Jahren fordern verschiedene Verbände und Organisationen der Pflegeberufe die Errichtung von Pflegekammern. Eine Pflegekammer hat viele Vorteile und bietet vor allem einen institutionellen Rahmen, in denen Diskussionen über alle Themen, die die Pflege betreffen, erörtert werden können. Zudem hat eine Pflegekammer auch eine besondere politische Bedeutung. Trotz allem gibt es viele Gegner dieser öffentlichen Körperschaft, die in ihr mehr Nach- als Vorteile sehen. Zum 1. Januar 2016 wurde die erst Pflegekammer Deutschlands in Rheinland-Pfalz gegründet. Weitere Kammern in anderen Bundesländern sind seit langem geplant, doch die Diskussionen um ihre Funktion sind dennoch hitzig. Ein Überblick.

 

Was sind Pflegekammern?

Eine Pflegekammer ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes, die selbstverwaltend die Pflegeberufe reguliert und für diese berufliche Richtlinien und Vorschriften zu erlassen. Wie bei der Handelskammer, wären alle Pflegekräfte Pflichtmitglieder und hätten den Vorteil, dass sie durch die Pflegekammer in ihren Interessen vertreten werden würde. Der gesetzliche Rahmen, innerhalb denen die Kammern agieren können, wird von den Ländern bestimmt.

 

Welche Aufgaben und Ziele haben Pflegekammern?

Die Aufgaben dieser Kammern sind sehr verschieden und konzentrieren sich zum größten Teil auf verwaltungsspezifische und politische Angelegenheiten. Die Pflegekammer ist also die juristische Institution, die die Selbstverwaltung der Pflege im Interesse der Pflegeberufe möglich macht. Zu den Aufgaben zählen zum Beispiel die Erteilung und der Entzug der Berufserlaubnis, die Umsetzung einer Berufsaufsicht, die Erlassung von pflegespezifischen Berufsordnungen und Berufsethiken, das Anbieten an Weiterbildungsmöglichkeiten und die Verwaltung und Regelung der Qualitätssicherung in der Pflegebranche.

Doch auch in der gesellschaftspolitischen Sphäre ist eine Pflegekammer aktiv und hat die Funktion einer Interessenvertretung des Berufsstandes gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit inne. Mit einer Pflegekammer erhofft sich der Berufsstand ein Mitspracherecht auf der politischen Ebene.
Als oberstes Ziel sehen die Initiativen der Pflegekammern eine fachgerechte und professionelle Pflege in ganz Deutschland für die gesamte Bevölkerung sicherzustellen.

 

Welche Vorteile bringt eine Pflegekammer?

Eine eigene Interessenvertretung ist für einen Berufsstand immer ein Vorteil. Zwar sind in Deutschland die Gewerkschaften relativ stark und kümmern sich auch um die Bedürfnisse der Pflegebranche, allerdings bietet eine Pflegekammer einen spezifischeren Nutzen für alle Pflegeberufe. Der Vorteil einer Pflegekammer ist, dass diese sich ausschließlich für die Interessen der Pflegekräfte einsetzt, eine Plattform des Dialoges darstellt und verschiedene Verbände zusammenbringt. Zudem bringen ihre rechtliche Stellung und ihr Selbstverwaltungscharakter der Kammer und den Mitgliedern viel Mitspracherecht auf der landespolitischen Ebene. Somit hat eine Pflegekammer die Chance schneller die Pflege und die Pflegeberufe zu verbessern und auf Missstände effektiver einzugehen.

 

Kritik an der Pflegekammer

Gegner von Pflegekammern hinterfragen besonders den Sinn und Zweck von Pflegekammern für die Pflegekräfte, da eine Pflegekammer, im Unterschied zu einer Gewerkschaft, keine Tarifverhandlungen führen kann und auch keine Aufgaben der Berufsverbände übernehmen wird. Auch Altersvorsorgemaßnahmen für Pflegende sollen kein Teil der Kammer sein, was zu großer Kritik an der Institution führt. Zudem glauben Kritiker, dass die Handlungsmöglichkeiten einer Pflegeplattform sehr eingeschränkt sein werden, da zwischen den einzelnen Berufsverbänden sehr unterschiedliche Interessen bestehen, die eine gemeinsame Entscheidung heute schon lähmen. Dadurch würde auch die Möglichkeit, die Kammer als eine Plattform für einen Dialog zwischen den Verbänden zu sehen, nichts ändern.

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