Gesundheit am Arbeitsplatz

Gesundheitsbeeinflussende Faktoren in der Pflege

Gesundheitsbeeinflussende Faktoren

Für die sinnvolle Einbindung eines Gesundheitscontrollings sind zunächst die Ursachen zu operationalisieren, welche die Gesundheit der Mitarbeiter beeinträchtigen können. Darauf aufbauend sind mögliche Folgen und Gegenmaßnahmen zu erarbeiten.

 

Bedingungsfaktoren der Gesundheit

Einen Ansatz für die Bedingungsfaktoren der Gesundheit legt Hurrelmann mit seinem integrativen Erläuterungskonzept von Gesundheit und Krankheit vor. Grundlage dieses Konzeptes bilden zwei integrative Theorieansätze, die eng miteinander verknüpft sind, da sie Gesellschaftstheorien, Public-Health-Theorien, Lerntheorien sowie Bewältigungstheorien miteinander verknüpfen: zum einen das Sozialisationsmodell, auf das an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden soll, und zum anderen das Salutogenesemodell (SgM) von Aaron Antonovsky.

Die Salutogenese (Gesundheitsdynamik) beschäftigt sich mit der Frage, welche Faktoren Gesundheit beeinflussen und wie diese erhalten wird. Dabei fußt das SgM auf der Grundannahme, dass sich der Mensch in einem dynamischen Gesundheits-Krankheits- Kontinuum befindet, womit eine kategorische Trennung (Dichotomie) aufgegeben wird: Der mensch befindet sich stets zwischen den Polen „absolute Gesundheit“ und „völliger Krankheit“, mit den Abstufungen „zunehmendes Wohlbefinden“ auf der einen und „abnehmendes Wohlbefinden“ auf der anderen Seite.

Die Position des Einzelnen innerhalb des Gesundheits- und Krankheitskontinuums entscheidet darüber, ob die durch Stressoren (körperliche, psychische und soziale Belastungspotenziale wie Hunger, Überforderung, menschliche Konflikte) ausgelösten Belastungen erfolgreich bewältigt werden können oder nicht. Dies ist wiederum maßgeblich abhängig vom erzeugten Stresszustand sowie vom sogenannten Kohärenzgefühl, d. h. der Fähigkeit zu einer angemessenen Spannungsverarbeitung mithilfe der vorhandenen Widerstandsressourcen. Gesundheitsbeeinflussende Kräfte sind also die Widerstandsressourcen und die Stressoren, die sich interdependent und zugleich variabel zueinander verhalten. Das Modell ist von Bedeutung, da es die Sicht auf die Gesundheitsförderung durch aktive Anpassung und Ressourcenentwicklung verändert hat und die Notwendigkeit eines Gesundheitscontrollings verdeutlicht.

Der Gesundheitsstatus wird zudem bedeutend beeinflusst von persönlichen Faktoren (u.a. körperliche, psychologische Konstitution), von Verhaltensfaktoren (u.a. körperliche Aktivität, Ernährung, Vorsorgeverhalten) sowie Verhältnisfaktoren (u.a. sozioökonomischer Status, Arbeitsbedingungen).So zeigt sich, dass die meisten Mitarbeiter trotz häufig organisationsbedingter psychischer Belastungen durch ihre sinnstiftende Arbeit zufrieden sind.

Wirkung der Arbeitsbedingungen auf die Gesundheit

Die Arbeitsbedingungen können sich auf vielfältige Weise auf die Gesundheit auswirken, was sich wiederum auf die Qualität der geleisteten Arbeit auswirken kann. Mögliche Auswirkungen sind sind z. B. Gesundheitsschäden durch Unfälle, arbeitsbedingten Erkrankungen bis hin zu Berufskrankheiten. Grundsätzlich kann man harte Arbeitsbelastungen, zu der schwere körperliche Arbeit zählt, und weiche Arbeitsbelastungen, wozu vor allem psychische Belastungen zählen, unterscheiden.

Die arbeitsbedingten gesundheitlichen Auswirkungen in Bereichen mit harter Arbeitsbelastung liegen bspw. im Bereich der Landwirtschaft bei über 60 %, im Gesundheitswesen insgesamt aber im Bereich um 40 %. In der Pflege stellt das schwere Heben und Tragen die häufigste körperliche Belastung dar.Vergleicht man indes die häufigsten arbeitsbedingten Beschwerden bei Beschäftigten in Ländern der Europäischen Union, so fällt eine Verschärfung in Richtung psychisch bedingter Beschwerden auf: So stieg bspw. der Anteil allgemeiner Erschöpfungsbeschwerden von 20 % im Jahr 2000 um 2,6 % auf 22,6 % im Jahre 2008.

Ebenso stieg der Anteil von Kopfschmerzen und Schlafstörungen zwischen dem Jahr 2000 (13,0 %) und 2008 (8,7 %) um jeweils 2,5% und 1,7% auf jeweils 15,5 und 8,7%. Psychische Krankheiten führen zu mangelhafter Arbeitsleistung und zu Fehlzeiten, die erhebliche betriebliche Verluste nach sich ziehen.Einige Entwicklungstendenzen wie die Globalisierung, der Branchenstrukturwandel in eine Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft, welche höhere Anforderungen an die Mitarbeiter stellt, und schließlich der demografische Wandel haben maßgeblich Einfluss auf die Arbeitsbedingungen und damit einhergehend auf die Gesundheit. Zudem kommt es zu einer Intensivierung und Flexibilisierung der Arbeit.

 

Präventiver Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung

Arbeitsschutz kann als Konglomerat von Maßnahmen zur Verhütung arbeitsbedingter Unfälle und Erkrankungen bezeichnet werden, mit dem Ziel, die Leistungsressourcen zu sichern und die Arbeitsfähigkeit zu optimieren. Arbeitsschutz umfasst dabei die Arbeitssicherheit, den Gesundheitsschutz und die Gesundheitsförderung. Konzeptive Maßnahmen eines präventiven Arbeitsschutzes umfassen die Primärprävention, deren Ziel in der Gesunderhaltung durch das Erkennen und gezielte Beseitigen von Risikofaktoren liegt (bspw. Grippeimpfung), die Sekundärprävention, deren Ziel das frühzeitige Erkennen und damit die frühzeitige Behandlung zur Ausheilung ist (bspw. Krebsvorsorge), sowie die Tertiärprävention, deren Ziel in der Vermeidung und Verhütung von Folgeerkrankungen und Gesundheitsverschlechterungen liegt.Der Fokus des präventiven Arbeitsschutzes liegt in der Primärprävention.

Die betriebliche Gesundheitsförderung indes zielt auf die Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens am Arbeitsplatz ab, indem arbeitsbedingten Erkrankungen vorgebeugt und Gesundheitsressourcen gestärkt werden sollen. Maßnahmen hierzu können u.a. die Arbeitsorganisation betreffen, indem Arbeitsplatzbeschreibungen so angepasst werden, dass keine Über- oder Unterforderung entsteht, oder bspw. eine entsprechend ergonomische Arbeitsplatzgestaltung.Die dargestellten Schritte bilden jeweils einen fließenden Übergang und können als additive Interventionsschritte entlang des Gesundheits- und Krankheitskontinuums verstanden werden.

 

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