Guter Rollator – schlechter Rollator?

Man sieht immer mehr ältere Frauen und Männer, die mit ihren Rollator unterwegs sind. Sie gehen mit ihm einkaufen, zum Arzt, in der Stadt spazieren, beladen ihm mit Blumen, Brötchen oder den Enkeln. Bei einigen Personen ist der Rollator dringend notwendig, er ist nicht nur eine wichtige Geh- und Stehstütze, sondern auch eine praktische Transporthilfe. Gerade ältere Menschen, die noch ziemlich selbstständig sind, wollen und können nicht mehr auf ihren Rollator verzichten. Doch es gibt auch viele Menschen, die einen Rollator nur aus Bequemlichkeit verwenden und eigentlich noch zu fußfit sind, um ohne einen Gehwagen auszukommen. Bei ihnen würde vielleicht auch ein einfacher Gehstock noch reichen. Wer also sollte auf einen Rollator zurückgreifen und für wen ist die Benutzung von Gehhilfen eher schädlich und welche Vor- und Nachteile bietet der beliebte Rollator?

 

Nachfrage stark angestiegen

Die Nachfrage nach Rollator ist in den letzten 5 Jahren drastisch angestiegen, obwohl der eigentliche Bedarf sich kaum verändert hat. Die Deutsche Angestellten Versicherung hat einen Zuwachs von 38 Prozent berechnet, wobei die Nachfrage besonders unter den 65 bis 69-Jährigen gewachsen ist. Die Zahlen überraschen die meisten, da anderen Studien belegen, dass Senioren ab 60 immer gesünder und fitter werden. Dafür gibt es verschiedene Ursachen: Zum einen sind die heutigen Rentner meistens erst zum Ende oder nach dem zweiten Weltkrieg geboren und haben kaum noch Kriegsfolgeschäden, zum anderen gibt es immer bessere Behandlungsmöglichkeiten und Weiterentwicklungen in der Medizin für die typischen Krankheiten im fortgeschrittenen Alter. Ferner betreiben immer mehr ältere Menschen Sport, was natürlich auf sehr positive Art der Gesundheit zu Gute kommt. Und trotzdem stieg der Bedarf an Rollatoren an.

 

Nicht nur positiv

Rollatoren sind mittlerweile so verbreitet, dass sie gesellschaftlich akzeptiert sind. Vor einigen Arztpraxen findet man sogar schon Parkplätze für die Gehhilfen, damit sie nicht im Weg stehen und den Fluchtweg versperren. Es kommt auch immer öfter zu Diebstählen der begehrten rollenden Hilfen, denn Rollatoren sind bequem. Und genau das ist auch ihr Nachteil: Immer häufiger werden Rollatoren für Menschen verschrieben, die eigentlich noch gar keine Gehhilfe brauchen. Dies kann sich negativ auf die Gesundheit der Person auswirken. Man gewöhnt sich schnell an eine Gehhilfe, traut sich dann nicht mehr ohne sie auf die Straße, entlastet Muskeln, die sich zurückbilden könnten und aufgrund der vorneüber gebeugten Haltung, könnten Rückenprobleme auftreten, die vorher noch nicht dagewesen waren. Kurz: man altert schneller. Aus diesem Grund raten Ärzte den Rollator nur bei wirklich dringenden Sachen, wie schwere Einkäufe oder lange erschöpfende Strecken, einsetzen. Ansonsten sollte man versuchen auf ihn zu verzichten.

Rollatoren können auch große Stolperfallen und Sturzursachen sein. Die Bundesinitiative für Sturzpräventionen hat herausgefunden, dass jeder dritte über 65 Jahre mindestens einmal im Jahr mit seiner Gehhilfe hinfällt. Bei den über 80-jährigen ist es sogar jeder zweite. Der Gehwagen gebe den Patienten zwar das Gefühl von Sicherheit, allerdings ist es nur eine Pseudo-Sicherheit. Er schützt nicht vor dem Stolpern und kann bei der Gleichgewichtsfindung oder dem sich Fangen sogar hinderlich sein. Wer mit seinen Rollator stürzt, hat meistens schlimmere Verletzungen und sogar Brüche, die ein langes Ruhen mit sich ziehen.

 

Auf die richtige Benutzung kommt es an

Wer jedoch einen Rollator im Alltag braucht, sollte dies unbedingt mit seinem Arzt oder Orthopäde absprechen und auch eine richtige Gebrauchsanweisung, beziehungsweise Kurzschulung bekommen. Der Rollator bringt nur einen Nutzen, wenn er auch richtig angewendet wird und sich nicht schädlich auf die allgemeine Gesundheit auswirkt.

Aus diesem Grund ist es wichtig vor dem Kauf eines Rollator unbedingt eine orthopädische Untersuchung zu machen. Wem das Laufen immer schwerer fällt braucht nicht gleich einen Rollator, sondern vielleicht nur ein paar Physiotherapiestunden oder einen einfachen Stock. Auf gar keinen Fall sollten Modelle billig von einem Discounter gekauft oder im Internet bestellt werden. Es lockt natürlich der Preis, aber man sollte zu allererst an die eigenen Gesundheit denken. Das Problem von einfachen und preisgünstigen Modellen ist, dass diese nicht an den Körper des Benutzers angepasst sind: entweder sind die Griffe zu niedrig, oder zu hoch, zu weit aus einander oder das Modell passt generell nicht zum Laufrhythmus des Patienten. Ein Orthopäde wiederum achtet auf die richtige Einstellung, damit der Rücken gerade bleibt, die Füße und Knie richtig stehen und die Griffstellung auch den richtigen Halt bieten. Ein richtig eingestellter Rollator vermindert die Sturzgefahr drastisch. Zudem sollten die künftigen Benutzer den richtigen Gebrauch wirklich erlernen. Eine kurze Einweisung ist nach zehn Minuten meistens wieder vergessen und Broschüren und Infozettel werden nur selten wirklich angeschaut. Freunde und Familie sollte deshalb regelmäßig den richtigen Umgang mit der Gehilfe überprüfen.

 

Trotzdem wichtiger Begleiter

Nach all der Kritik soll jedoch auch eine Lanze für den Rollator gebrochen werden. Ein Stock hilft älteren Menschen, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind nur bis zu einem gewissen Grad weiter. Zudem nütz er auch beim Einkaufen und Transportieren nicht viel und ist eher noch eine zusätzliche Belastung, noch mehr Ballast. Der Rollator gibt älteren Menschen trotz eingeschränkter Beweglichkeit ein gewisses Maß an Freiheit zurück. Sie brauchen nicht mehr ihre Kinder oder Enkelkinder fragen, wenn der Einkauf ein bisschen größer ist und können auch mal länger an der frischen Luft bleiben, da das Laufen nicht mehr so anstrengend ist. Zudem geben Rollatoren vielen Menschen ein Gefühl von Sicherheit. Wie oben erwähnt ist dies zwar meist nur ein Gefühl, jedoch reicht es schon, um ältere Menschen an die frische Luft zu bringen. Einer der häufigsten Ursachen, warum Senioren so selten rausgehen, ist, dass sie Angst haben zu stürzen, weil ihre Kräfte oder ihre Balance eingeschränkt sind. Meistens ist die Angst zwar unbegründet, doch wenn ein Rollator für mehr Mobilität sorgt, sollte ruhig über die Anschaffung eines Rollators nachgedacht werden. In den meisten Fällen übernehmen die Krankenkassen die kompletten oder einen Teil der Kosten für den Kauf eines Rollators. Schon allein deshalb besteht überhaupt kein Grund eine rollende Gehhilfe im Internet zu bestellen. Die Einweisung, Kontrolle der Benutzung und auch anfallende Reparaturen sind oft kostenlos und werden schnell in dem jeweiligen Sanitätshaus durchgeführt.

 

Guter Rollator – schlechter Rollator?

Im Endeffekt kann keiner einen die Entscheidung über die Anschaffung eines Rollators abnehmen. Jeder Patient sollte für sich überlegen, ob er einen will oder nicht und sich auch nicht von anderen Personen reinreden lassen. Die Konsultation des Arztes und des Orthopäden ist immer wichtig. Doch auch wenn alle Seiten einem Patienten einen Rollator empfehlen, kann es sein, dass dieser keinen möchte, weil er sich damit unsicherer fühlt oder selber meint er brauche keinen. Auch dies müssen Familienangehörige berücksichtigen. Die richtige Benutzung des Rollators ist eine Sache für sich und muss erlernt werden, wer meint, dass er noch eine gute Weile darauf verzichten kann, wird wohl seine Gründe dafür haben.
 

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