Mit der Pflege überfordert?

Mit der Pflege überfordert? Die Pflege eines kranken Angehörigen ist eine nicht zu unterschätzende Belastung. Je nachdem, welchen Pflegegrad die Person erreicht hat, entscheidet sich die Familie aus finanziellen, persönlichen oder geographischen Gründen oft für die Pflege zu Hause. In den meisten Fällen muss dann einer der Familienmitglieder in seinen Job auf Teilzeit hinunter gehen oder ihn sogar ganz aufgeben und widmet seinen Alltag dann fast komplett der Pflege des Angehörigen. Auch wenn der Pflegebedürftige von ganzen Herzen geliebt wird, ist es nicht selten, dass die pflegende Person mit den Aufgaben überfordert ist, eigentlich viel mehr Hilfe und Unterstützung bei der Pflege bräuchte und sogar an Burnout erkranken kann. Insbesondere wenn Menschen mit der höchsten Pflegestufe zu Hause betreut werden, ist das Stresslevel in den Familien besonders hoch. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich so früh wie möglich fachlichen Rat zu suchen und bewusst Hilfe anzufordern.

 

Was umfasst die Pflege zu Hause?

Psychologen raten jedem, der sich für die häusliche oder Heimpflege entscheiden muss, sich die Angelegenheit gut zu überlegen. Viele wissen gar nicht, was auf sie zukommt, wenn sie sich entscheiden, ein Familienmitglied zu Hause selbst zu pflegen. Wenn es heißt „Haus oder Heim“ spielen nicht nur finanzielle Gründe eine Rolle, sondern oft auch moralische. Der Begriff „Pflegeheim“ ist oft noch sehr negativ konnotiert und wird mit Abschieben und dem Drücken von der Verantwortung gleich gesetzt. Allerdings wird dabei die eigentliche Arbeit der Pflege total unterschätzt, da viele am Anfang gar nicht wissen, was die Pflege zu Hause alles beinhaltet, denn neben der körperlichen Hygiene wie waschen, anziehen oder Toilettengänge, kommen auch Besuche bei Ärzten, Friseuren und die komplette Verantwortung und Organisation bei Versicherungsfragen oder Bankangelegenheiten. Ferner muss das Haus, beziehungsweise die Wohnung umgerüstet werden, damit sie pflegegeeignet ist und keine Unfallgefahren entstehen. Dies ist zunächst eine finanzielle Extrabelastung, die nicht vergessen werden darf. Hinzu kommt, dass aufgrund der medizinischen Fortschritte die Pflege eines Angehörigen im Schnitt zehn Jahre dauern kann. Dabei werden auch die pflegenden Personen älter und damit natürlich auch körperlich wie psychisch weniger belastbar.

 

Stress oder Überlastung?

Da vielen Familien die Belastung einer Pflege von zu Hause nicht bewusst ist, stoßen die Familienmitglieder schnell an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Doch wann ist es nur kurzzeitiger Stress und wann kann man von einer Überlastung sprechen? Die Grenzen von beiden liegen ganz nah, denn einer Überforderung mit der Aufgabe entsteht meistens aus Dauerstress, der eventuell von Anfang an da war oder mit der Verschlechterung des Gesundheitszustandes eintrat. Dabei sind grob zwei Arten von Stress zu unterscheiden: Zum einen bereitet die Anteilnahme und Sorge um den Gesundheitszustand des geliebten Menschen den Familienmitgliedern psychischen Stress und oft schlaflose Nächte. Zum anderen ist es natürlich die Belastung der Pflege selbst ein großer Stressfaktor, wobei sich der gesamte Alltag und das eigene Leben um die Bedürfnisse des Pflegefalls drehen. Letzteres kann bei der Überschätzung der eigenen Kräfte und der Vernachlässigung des eigenen Lebens, sowie zu seltene Regenerationszeiten zu gravierenden Folgeschäden und einer Überlastung führen. Hierbei ist es wichtig, dass die pflegende Person von Anfang an ihr eigenes Leben nicht vernachlässigt und eine Balance zwischen den Bedürfnissen des Erkrankten und ihren eigenen Wünschen findet. Wenn das eigene Leben dauerhaft zurückgestellt wird, leidet nicht nur die Familie und die Freundschaften, sondern vor allem die eigene Psyche. Ein unzufriedener und völlig erschöpfter Pfleger ist kein guter Pfleger und nützt niemanden. Daher sollten sich pflegende Angehörig frühzeitig eingestehen, wenn ihnen die Aufgaben über den Kopf wachsen und sie sich überfordert fühlen. Dann ist es Zeit sich externe Unterstützung zu suchen, bevor psychische Folgekrankheiten die Situation noch verschlimmern.

 

Wo suche ich mir Hilfe?

Wenn die pflegende Person merkt, dass sie an ihre Grenzen gekommen ist und es körperlich und psychisch nicht mehr schafft, gibt es verschieden Möglichkeiten sich Hilfe zu suchen. Zunächst sollte sie dieses Problem mit ihrer engeren Familie, ihren Kindern und ihren engen Freunden besprechen, da schon das Reden über die Sorgen, den Schmerz lindert. Zudem könnte auch ein Entgegenkommen von dem Partner oder den eigenen Kindern möglich sein, manchmal merken selbst die engsten Vertrauten nicht, dass es zu viel ist.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche externe Beratungsstellen, die pflegende Angehörige mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die allererste Adresse sollte ein Pflegedienst sein. Diese stehen den Angehörigen nicht nur mit wertvollen Tipps und Ratschlägen beiseite, wie die Pflege erleichtert werden könnte, sondern sie haben auch ein umfangreiches Wissen über die finanzielle Unterstützung vom Staat oder von den Krankenkassen. Ferner kümmern Sie sich auch um die überlasteten Angehörigen und geben psychischen Beistand und haben lokale Adressen für professionelle Unterstützung.

Darüber hinaus suchen viele Pflegepersonen sich auch geistlichen Beistand. Nicht nur aufgrund des religiösen Rückhaltes eines Geistlichen, sondern weil viele kirchliche Einrichtungen auch soziale und diakonische Unterstützung in der Pflege anbieten und somit eine Entlastung für den pflegenden Angehörigen sind.

Schließlich bieten viele Stiftungen und Pflegeheime auch Workshops und Austauschgruppen für pflegende Familienmitglieder an. Hier lernen sie Tricks und Kniffe, die den Alltag vereinfachen und vor allem der körperlichen Belastung entgegenwirken. Auch wenn sich die Angehörigen nicht überfordert fühlen, lohnt sich die Teilnahme aufgrund des Fachwissens immer.

 

Langfristige Lösungen

Längerfristig betrachtet wird jedoch auch der regelmäßig Besuch beim Seelsorger keine wirkliche Unterstützung sein. Wenn ein pflegender Angehöriger mit der Pflege eines Familienmitgliedes überfordert ist, müssen strukturelle Veränderungen her. Dabei ist es wichtig, dass alle engeren Familienmitglieder mit in die Entwicklung der Lösungsstrategien einbezogen werden, da die kommenden Veränderungen alle Familienmitglieder betreffen müssen. Die Familie sollte dabei ernsthaft die Option Pflegeheim in Betracht ziehen, da dies bei einer Überforderung und Überlastung wohl die einzige nachhaltige Lösung für beide Parteien ist. Ein Pflegeheim bietet geschultes Personal und einen fachlichen Umgang. Es sollte nicht vergessen werden, dass ein überarbeitendes pflegendes Familienmitglied auch ein Stressfaktor für die zu pflegende Person ist, sodass die Option Heim für beide Parteien eine gute Lösung sein könnte.
Eine andere Option ist der ambulante Pflegedienst, der mehrmals am Tag oder nach Bedarf engagiert werden kann. Dieser bietet eine Vielzahl von Unterstützung, die nicht nur die direkte Pflege des Patienten abdeckt. Da eine umfangreiche Erholung für den Pfleger wichtig ist, sollte auch regelmäßige Urlaube ohne die erkrankte Person geplant werden. Dafür gibt es Kurzeitpflegeeinrichtungen, die, wie der Name schon sagt, sich über einen kurzen Zeitraum um einen Pflegebedürftigen kümmern.

Abschließend ist auch noch die finanziellen Unterstützung eine wichtige Komponente: In den letzten Jahren hat sich viel in der Rechtslage zu Gunsten der pflegenden Familien geändert. Egal für welche Pflegeform sich die Familien entscheiden, je nach Grad der Pflegebedürftigkeit bekommen die Familien unterschiedliche Zuschüsse vom Staat und Entlastungen bei den Krankenversicherungen.
Das Wichtigste für Familienangehörige, die sich um einen Pflegebedürftigen kümmern, ist, dass sie sich ihre Überlastung eingestehen und offen damit umgehen. Die Pflege eines Menschen darf nicht an einer Person hängen bleiben, eine umfangreiche Unterstützung muss früh geplant sein, damit keine vermeidbare Belastung für niemanden entsteht.

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