Bild pflegemarketing.org Alte Frau mit Rollator und Krankenschwester beim Spaziergang

So bringen Sie Pflege und Erwerbstätigkeit unter einen Hut

Als pflegender Angehöriger kennen Sie es möglicherweise: Dieser Lebensstil kann sich anfühlen, als würden Sie zwei Jobs jonglieren – eine bezahlte Arbeit und die Pflege Ihres Angehörigen. Sie sind damit nicht alleine: Millionen von Menschen in Deutschland kümmern sich um ein krankes, gebrechliches oder behindertes Familienmitglied, und viele davon versuchen, Arbeit und Pflege miteinander auszubalancieren.

Eine offene Aussprache mit dem Arbeitgeber kann hier oft Wunder wirken. Haben Sie aber bereits eine Vorstellung von Ihren Rechten und Möglichkeiten, wird es Ihnen leichter fallen, um Unterstützung zu bitten. Hierbei sollen Ihnen die folgenden Absätze ein wenig helfen.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Am 1. Januar 2015 sind die gesetzlichen Möglichkeiten, sich zugunsten der Pflege eines Angehörigen von der Arbeit freistellen zu lassen, noch einmal deutlich verbessert worden:

  1. Im Akutfall können Sie sich 10 Tage freistellen lassen und erhalten von der Pflegekasse des Pflegebedürftigen ca. 90 Prozent Ihres Nettoverdienstes.
  2. Das Pflegegesetz sieht eine teilweise oder komplette Freistellung für ein halbes Jahr und mit Lohnersatz auf Darlehensbasis vor.
  3. Bis zu 24 Monate können Sie sich nach dem Familienpflegegesetz teilweise freistellen lassen – auch hier erfolgt der Lohnersatz auf Darlehensbasis.

Beachten Sie, dass all diese Möglichkeiten nur für die Pflege naher Angehöriger gelten:

  • Eltern, Großeltern und Schwiegereltern
  • Ehegatten und Lebenspartner (dazu muss keine eingetragene Lebensgemeinschaft bestehen)
  • Geschwister
  • leibliche, Adoptiv- und Pflegekinder, Kinder des Ehegatten bzw. des Lebenspartners
  • Schwager

Flexible Arbeitszeiten

Damit sind die Möglichkeiten aber noch nicht ausgeschöpft – sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber und/oder dem Betriebsrat sowie auch mit Kollegen.

In vielen Fällen hilft es schon, wenn Sie später an Ihrem Arbeitsplatz erscheinen (und später Feierabend machen), etwa wenn Sie morgens mehr Zeit brauchen, um dem pflegebedürftigen Angehörigen beim Aufstehen und Herrichten für den Tag zu helfen oder wenn Sie auf den täglichen Pflegedienst warten müssen. Manche Berufsbilder ermöglichen durchaus auch eine komplett frei eingeteilte und kurzfristig umstrukturierbare Arbeitszeit.

Das private Telefon am Arbeitsplatz

Klären Sie, ob Sie am Arbeitsplatz Ihr privates Mobiltelefon nutzen dürfen, damit Sie sich jederzeit vergewissern können, ob zuhause alles in Ordnung ist. Dies kann Ihr Stresslevel deutlich mindern und Ihnen helfen, sich besser zu konzentrieren.

Zuhause arbeiten

Die Fahrzeiten zwischen Arbeitsplatz und Wohnort sind ein weiterer beträchtlicher Stressfaktor. Es kann deshalb eine große Hilfe sein, wenn Sie von zuhause aus arbeiten können. Selbstverständlich ist dies nicht in jedem Beruf bzw. in jedem Betrieb möglich. Oft ist aber zumindest eine sogenannte alternierende Tele- oder Heimarbeit möglich: Ein Teil der Arbeit wird zuhause erledigt, der Rest im Betrieb.

Unbezahlter Urlaub und Sabbatical

Außer Ihren regulären Urlaubstagen können Sie auch unbezahlten Urlaub nehmen, wenn die eingangs ausgeführten gesetzlichen Mittel erschöpft sind und Sie trotzdem über einen längeren Zeitraum hinweg ganz für Ihren Angehörigen da sein müssen.

Auch wenn Sie darüber nachdenken, Ihre Arbeitsstelle zugunsten Ihrer Pflegetätigkeit ganz aufzugeben, sollten Sie zuvor Ihre Möglichkeiten prüfen. Eine Auszeit – „Sabbatjahr“ oder „Sabbatical“ genannt – könnte eine gute Alternative sein, damit Sie an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren können, nachdem Sie sich einige Zeit Ihrer Pflegerolle gewidmet haben.
 

Interessante Links

Zum Internetauftritt für Pflegedienste.
Wir machen Pflegemarketing für Sie.
Mehr zum Thema Pflege lesen. Jetzt um Pflegemagazin.
Mehr zum PSG II.
Offene Fragen? Jetzt Kontakt aufnehmen.