Tabuthema Sexualität und Demenz

Das Bedürfnis nach Nähe ist ein wichtiger Teil unseres Lebens. Auch die Sexualität gehört ganz natürlich dazu. Sobald es jedoch um die sexuellen Bedürfnisse Demenzkranker geht, kann es schwierig werden: Einerseits benötigen diese Menschen weiterhin liebevolle und fürsorgliche Beziehungen; andererseits können sich ihre Möglichkeiten, Intimität und Nähe anzunehmen und zu geben, im Krankheitsverlauf mehr oder weniger stark verändern. Möglicherweise werden sie fordernd und unsensibel gegenüber den Bedürfnissen anderer; und auch Änderungen im Ausdruck ihrer Sexualität sind keine Seltenheit. Besonders belastend kann diese Situation für Töchter und Schwiegertöchter werden, die ihren an Demenz erkrankten Vater oder Schwiegervater pflegen.

Geändertes Sexualverhalten

Mancher muss feststellen, dass sich das sexuelle Verlangen seines demenzkranken Lebenspartners verstärkt hat, wodurch sexuelle Wünschen zu ungewöhnlichen Zeiten oder an ungeeigneten Orten aufkommen können. Viele Menschen mit Demenz verlieren ihre anerzogenen Hemmungen und berühren sich in der Öffentlichkeit, machen Anstalten, sich selbst oder andere auszuziehen oder belästigen Wildfremde mit sexuellen Avancen. Andere verlieren das Interesse an körperlichen Beziehungen vollständig und ziehen sich in sich zurück. Möglicherweise akzeptieren sie Körperkontakte, können von sich aus aber keine Zuneigung mehr äußern. Auch dies kann für den Partner verletzend sein und zu einem Gefühl von Schmerz und Verlust führen.

Hinweise zum Umgang mit verändertem sexuellem Verhalten

  • Denken Sie in allen diesen Fällen daran: Keine dieser Verhaltensweisen ist persönlich gegen Sie gerichtet, sondern ein Teil der Krankheit Ihres Partners oder Familienangehörigen.
  • Berücksichtigen Sie alle möglichen Gründe für unangemessenes Verhalten: Hebt eine demenzkranke Frau etwa ihren Rock, könnte sie damit auch einfach signalisieren, dass sie zur Toilette möchte, sich unwohl oder gelangweilt fühlt.
  • Versuchen Sie, sich auf Ihr Gegenüber statt auf seine Verhaltensweisen zu konzentrieren, und bemühen Sie sich um Ablenkung, um seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu umzuleiten.
  • Finden Sie Möglichkeiten, unterschiedliche Formen der Berührung in den Alltag zu integrieren, um das Bedürfnis des Erkrankten nach Nähe zu befriedigen. Hier bieten sich beispielsweise Massagen, Händehalten und Umarmungen an.
  • Als Partner eines Demenzkranken entdecken Sie bei sich selbst möglicherweise eine ganze Reihe von Vorbehalten gegen eine Fortführung der sexuellen Beziehungen – Gefühle von Ablehnung, Abneigung und auch Schuld sind nicht selten. Zunächst sollten Sie sich klarmachen, dass nichts davon ungewöhnlich ist. Und ganz bestimmt tut es Ihnen gut, wenn Sie Ihre Gefühle mit einem Arzt oder psychologischen Berater offen besprechen. Auch die Teilnahme an einer Angehörigen-Selbsthilfegruppe ist meist eine große Hilfe: Zu wissen, dass andere ähnliche Erfahrungen machen, kann unglaublich ermutigend sein.

 

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