Stürze verhindern

Wie wird die Wohnung pflegegerecht?

Wie wird die Wohnung pflegegerecht? Wenn ein Familienmitglied zu einem Pflegebedürftigen wird, dann muss sich nicht nur auf personelle Änderungen, sondern auch auf strukturelle Veränderungen eingestellt werden, insbesondere, wenn der Familienangehörige zu Hause gepflegt werden soll. Je nachdem, ob ein plötzlicher Pflegefall oder ein schrittweiser vorliegt, sollte die Wohnung mehr oder weniger schnell der pflegebedürftigen Person angepasst und muss dementsprechend umgebaut werden. Doch wie sieht eine pflegegeeignete Wohnung aus? Wer kann bei der Einrichtung helfen und wie sieht es mit der finanziellen Unterstützung der Krankenkassen aus? Im folgenden Beitrag erfahren Sie alles, was Sie bei der Einrichtung einer pflegegerechten Wohnung beachten müssen.

 

An die Bedürfnisse angepasst

Es liegt natürlich auf der Hand, dass jeder Pflegebedürftige je nach seinen gesundheitlichen Einschränkungen eine besondere Behandlung und damit auch eine spezielle Einrichtung braucht. Alzheimerpatienten haben andere Ansprüche an dem Wohnraum als mobil eingeschränkte Personen, seien Sie sich also bewusst, welche Änderungen in Ihrem Fall notwendig sind. Wenn die Person plötzlich auf einen Rollstuhl angewiesen ist, dann muss der Zugang zur Wohnung vor allem barrierefrei sein. Oft muss sogar ein Umzug in Erwägung gezogen werden. Lassen Sie sich von einem Umzug jedoch nicht gleich abschrecken, bei einem Wohnungswechsel haben Sie die Möglichkeit, die neue Wohnung von Anfang an pflegegerecht einzurichten, was in vielen Fällen oft einfacher ist, als die alte Wohnung umzurüsten. Falls Sie Mitglied einer Wohnungsbaugenossenschaft oder eines Mietvereins sind, können Sie über diesen auch nach einer barrierefreien Wohnung anfragen, denn Mitglieder werden oft bevorzugt behandelt.
Doch auch, wenn die pflegebedürftige Person noch sehr mobil und lauffit ist, sollten Sie bedenken, dass der Mensch mit achtzig Jahren keine vier Stockwerke mehr hochlaufen möchte oder kann. Ein Umzug in einer altersgerechte Wohnung sollte lieber früher als später geplant werden.

 

Umbaumaßnahmen und Absprache mit dem Vermieter
Bautechnische Änderungen müssen natürlich mit dem Vermieter abgesprochen werden. In der Regel muss ein Vermieter allen Umbaumaßnahmen, die für die pflegebedürftige Person notwendig sind, zustimmen. Allerdings muss sich der Vermieter nicht an die Kosten des Umbaus beteiligen. Einige Vermieter machen es dennoch, da mit dem Umbau in eine pflegegerechte Wohnung der Wert des Wohnraumes steigt. Es könnte sein, dass Ihr Vermieter einen extra Vertrag mit Ihnen abschließen möchte, in dem Sie bestätigen, dass die Wohnung nach Auszug wieder in ihren Originalzustand zurück versetzt wird. Falls Ihr Vermieter auf solch einen Vertrag besteht, sollten Sie ernsthaft über einen Umzug nachdenken. Ein Treppenlift ist relativ schnell wieder abmontiert, doch eine Erweiterung des Türrahmens, damit ein Rollstuhl durchpasst, ist nur mit großem und teurem Aufwand wieder rückgängig zu machen.

In einigen Fällen kann der Vermieter jedoch auch notwendige Umbaumaßnahmen ablehnen, zum Beispiel, wenn durch den Umbau der Wert der Immobilie geschmälert wird. Dies könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn es sich um ein historisches Wohnhaus handelt, dass unter Denkmalschutz steht. Besonders Altbauwohnungen haben oft historische Türen oder Rahmen, sowie Badevorrichtungen, die den Zimmern ihren typischen Altbaucharme verleihen. Wenn diese ausgetauscht werden müssen, vermindert sich der Wert der gesamten Wohnung. In diesem Fall dürfte der Vermieter einen Umbau ablehnen.

 

Die Einrichtung des Pflegezimmers

Ein Pflegezimmer einzurichten ist keine leichte und oft eine langwierige Aufgabe. Es muss einen gewissen Grad an Sterilität aufweisen, besitzt bestimmte pflegetechnische Geräte und spezielle Stütz- und Laufhilfen und sollte trotzdem nicht nach einem Krankenhauszimmer aussehen. Man muss also einen Kompromiss zwischen Pflege und Komfort finden.

Überlegen Sie sich zunächst gut welches Zimmer der Wohnung oder des Hauses das Pflegezimmer sein sollte. Ein Pflegezimmer sollte möglichst groß sein, viel Tageslicht haben und nicht unbedingt das ruhigste Zimmer der Wohnung sein, da der Pflegebedürftige nicht vom Alltag in der Wohnung abgeschieden sein sollte. Der Raum sollte sich sowohl gut beheizen lassen, als auch gut zu lüften sein, weil die zu pflegende Person eventuell nicht sooft hinaus an die frische Luft kann, wie andere Bewohner der Wohnung. Zudem ist eine Nähe zu dem Bad oder zu einer Toilette sehr zu empfehlen.

Bei allen Umbaumaßnahmen für einen optimalen Raum zur Pflege sollten Sie die persönlichen Vorlieben der pflegebedürftigen Person nicht außer Acht lassen. Dekorieren Sie den Raum liebevoll mit dem Hab und Gut der Person. Gehen Sie auf spezielle Farbwünsche und Bildervorlieben ein, auch sollten Sie Platz für den Lieblingssessel und die Lieblingsanrichte nehmen, auf der eventuell Fotos oder Erinnerungen vom Leben stehen könnten. Auch wenn Sie den einen oder anderen Wunsch für überflüssig oder unpassend halten, geben Sie dem nach, damit sich der Erkrankte auch wohlfühlt in seinem Zimmer.

 

Die Möbel eines Pflegezimmers

Die richtigen Möbel tragen viel zum Wohlfühlklima im Pflegeraum bei. Bedenken Sie bei der Auswahl der Möbel auch, dass nicht immer alles neu sein muss und Sie viele gut erhaltende Möbelstücke auch aus zweiter Hand erwerben können.
Ein praktisches und wohnliches Pflegezimmer sollte mit folgenden Möbeln eingerichtet sein:

  • ein Pflegebett

Dieses sollte verstellbare Höhen, Kopf- und Fußteile haben, sodass sie optimal angepasst werden können. Zudem sollte das Bett Stützen zum Aufrichten und Hilfsvorrichtungen zum Verlassen des Bettes vorweisen können.

  • ein Nachttisch
    Dieser ist unabdinglich, da der Pflegebedürftige in diesem griffbereite Dinge lagern kann. Aus diesem Grund sollte der Nachtisch auf Rollen sein und einfach und schnell für die Person erreichbar sein.
  • ein kleiner Tisch, Sessel oder Stühle

Je nachdem, wie sehr die Pflegeperson auf Hilfe angewiesen ist, sollten sich in dem Zimmer auf jeden Fall ein kleiner Tisch und mindestens ein bequemer Sessel befinden. Diese Möbel sind nicht nur für den Pflegebedürftigen, sondern auch für Freunde und Familie gedacht und machen den Raum auch wohnlicher.

  • Schränke

Bei der Auswahl der Schränke sollten Sie vorsichtig sein. Ein Kleiderschrank ist nicht immer die richtige Wahl für ein Pflegezimmer, er kann schnell ungemütlich wirken, es sei denn, dieser wird in eine unauffällige Ecke platziert. Kommoden oder Anbauwände wiederum sind sehr geeignet Schränke. Diese bieten viel Platz und Stauraum für persönliche Gegenstände des Erkrankten.

 

Finanzielle Unterstützung der Pflege- und Krankenkassen

Laut Gesetzgeber und nach Paragraph 40 des Sozialgesetzbuches können Zuschüssen der Pflege- und Krankenkassen beantragt werden. Dafür müssen Sie einen offiziellen Antrag stellen und diesen natürlich gut begründen. In der Regel werden die Zuschüssen auch genehmigt, wenn dadurch die häusliche Pflege vereinfacht oder ein relativ selbstständiges Leben des Pflegebedürftigen wieder hergestellt wird. Die Höhe der Zuschüsse richtet sich allerdings nach den Kosten der Umbaumaßnahmen und dem Einkommen des Pflegebedürftigen.

Bei baulichen Maßnahmen, wie die Erweiterung des Türrahmens, die Installierung von Treppenliften oder das Einbauen von bestimmtem Mobiliar unterstützen die Pflegekassen eigentlich immer. Auch bei Umzüge in pflegegerechte Wohnungen können Zuschüsse beantragt werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass der Umbau der alten Wohnung teurer wäre, als das Umziehen in eine pflegegeeignete Wohnung. Bei einer veränderten Situation des gesundheitlichen Zustandes der Person kann auch ein zweites Mal Zuschüsse für Umbaumaßnahmen beantragt werden. Bedenken Sie jedoch die finanzielle Unterstützung so früh wie möglich einzufordern, da die Genehmigung von Zuschüssen ein langwieriger Prozess ist.

Neben der Unterstützung der Pflegekassen bieten verschiedene Kreditinstitute Darlehen für pflegegerechte Umbaumaßnahmen, so zum Beispiel Kreditanstalt für Wiederaufbau. Auch hier wird die komplette finanzielle Situation zuvor geprüft und oft Kredite mit niedrigen Zinses vergeben.

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